Uf em Bänkli mit Franco H. (56) in Lugano

„Ich wollte Katzen. Unbedingt. Ohne allzu viel darüber nachzudenken, wünschte ich mir ein oder zwei Katzen. Aber nicht so teure, überzüchtete, die permanent krank und auf alles anfällig sind. Nein, einfach zwei ganz normale Hauskatzen. Meine einzige Bedingung war, dass es Männchen sein sollen. Die sind nämlich viel einfacher zu handhaben. Ausserdem bin ich auch ein Mann. Dass damit in unserem Haushalt künftig mehr Testosteron als Östrogen wohnen sollte, machte für mich Sinn. Unter anderem darum wollte ich mir (mit Augenzwinkern) männliche Unterstützung ins Haus holen. Dies waren alles durchaus logische Argumente, fand ich.

So machte ich mich auf die Suche in meinem Umfeld. Wer kennt jemanden, der jemanden kennt und einen Wurf Katzenbabies hatte. Erstaunlicherweise fand ich schnell was ich suchte. Es waren kürzlich fünf kleine Wollknäuel zur Welt gekommen, einer hübscher als der andere. Zwei schwarze und drei grauschwarz gestreifte Kater. Für mich war sonnenklar, dass ich mich für die beiden schwarzen Jungs entschied. Sie wiederum fanden dies wohl auch richtig, denn sie umgarnten meine Füsse und knabberten an meinen Socken wie wild, als ich sie zum ersten Mal besuchte.

Zehn Wochen später durfte ich die kleinen Scheisserchen abholen. Ich freute mich riesig. Apropos riesig, sie waren schon sehr gewachsen, aber sie waren immer noch klein. Spontan entschied ich mich für die Namen Oski und Charly. Die beiden sahen identisch aus, bloss Charly war immer ein bisschen kleiner als Oski. Insider konnten sie so gut voneinander unterscheiden.

Beide waren bereits geimpft, entwurmt und stubenrein. So durften sie bald bei uns einziehen. Meine Freundin und ich hatten viel Spass mit den beiden Kleinen, obwohl sie noch sehr unerzogen waren und meistens nur Blödsinn anstellten. Hier und da etwas anknabbern, kaum schauten wir weg, sprangen sie auf den Esstisch. Alles wurde beschnuppert, mit den Krallen bearbeitet und manche Gegenstände fanden wir in anderen Räumen wieder. Wenn wir das Haus verliessen machten sie es sich gemütlich auf dem Sofa obwohl sie dies nicht durften. Doch die beiden waren clever, kamen wir nämlich nach Hause, waren sie weder auf dem Tisch noch Sofa und schauten uns unschuldig an. Leider verrieten jeweils ihre Haare und Tatzenabdrücke, wo sie sich überall herumgetrieben und aufgehalten hatten. Doch sie waren ja auch noch Katzenkinder und hatten noch genügend Zeit um alles zu lernen.

Wir vier haben uns gut gemeinsam eingelebt und aneinander gewöhnt. Die Katzenkinder wurden zu geschlechtsreifen, frechen Jungs. Wir mussten uns langsam entscheiden, ob wir sie kastrieren lassen wollten oder nicht. Zum Glück waren sie Männchen und wir konnten uns mit der Entscheidung etwas mehr Zeit lassen. Denn sie würden uns keinen unerwünschten Nachwuchs nach Hause bringen.

Irgendwann war es dann an der Zeit für eine Nachimpfung und diesen Tierarztbesuch nahmen wir zum Anlass, Oski und Charly kastrieren zu lassen. Wir fuhren mit zwei Katzenkäfigen in die Arztpraxis und warteten, bis wir an der Reihe waren.

Der Tierarzt, ein grosser, breiter, grobschlächtiger, tschechischer Mann, sah nicht gerade aus, als würde er sich gerne mit Menschen unterhalten. Hauptsache, er hatte ein Herz für Tiere. Er hatte nur eine Frage: ‚Wie ist Name von Katze diese?‘ Stolz erklärte ich ihm, der kleine sei Charly und der grössere Oski und die beiden seien Brüder. Ein Brummen war seine Antwort. Nicht gerade sanft, nahm er Charly aus seiner Kiste, zog ihm den Schwanz hoch und sagte: ‚Ist aber Weibchen.‘ Bitte was? Er setzte ihn wieder in den Käfig und wiederholte die Prozedur bei Oski. Schaute mir in die Augen und sagte: ‚Ist aber auch Weibchen.‘ Spinnt der? Wer ist hier der Arzt, er oder ich? Wir hatten ganz klar zwei Kater und deswegen hatten sie auch männliche Namen.

Der tschechische Riese hatte noch eine letzte, abschliessende Frage: ‚Kastrieren trotzdem?‘ Ja bitte.

Am Schluss entschied sich der Grobschlächtige tatsächlich uns noch eine Frage zu stellen. ‚Wie ist neuer Name?‘ CHARLY UND OSKI. Er brummte nur und verdrehte die Augen.

Ich war am Boden zerstört, verwirrt, fühlte mich betrogen. Es war doch klar geplant und abgemacht, dass nur Kater in Frage kämen. Von Anfang an haben alle beteuert, es seien zwei Jungs. Und jetzt sollten wir mit zwei Weibchen heimkommen? Einfach so? Die werden dick, sie sind zickig. Männchen sind nach der Kastration ruhiger und ausgeglichener, spielen gerne stundenlang. Und sie sind anhänglicher, anschmiegsamer und verschmuster.  Das musste ich erst mal verdauen.

Mit hängenden Köpfen, nahmen wir Charly und Oski frisch kastriert wieder mit nach Hause. Die Moral der Geschichte? Es war egal – wir liebten sie sowieso seit dem ersten Moment. Wir tauften sie nicht um. Sie blieben Charly und Oski. Punkt. Und jedes Jahr fragte der grobschlächtige Tierarzt dasselbe. ‚Wie ist neuer Name?‘ Und unsere Antwort war immer die gleiche. Oski und Charly.

„Verrätst Du mir bitte noch Dein Lieblingszitat?“

„Mitdenken hat mit Denken zu tun.“

„Vielen Dank für diese lustige Geschichte und Dein Lieblingsrezept, lieber Franco.“

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