Uf em Bänkli mit Kreetta (24) – in Turbenthal

 Kreetta ist eine blitzgescheite, hübsche junge Frau. Zuerst war sie unsicher, ob es gut sei, ihre Geschichte zu veröffentlichen. Dann hat sie siach dafür entschieden.

„Die Geschichte beginnt als sich meine Eltern hier in der Schweiz kennen gelernt haben. Mein Vater ist Finne und meine Mutter Schweizerin. Er war Hockeyspieler in einem Verein der Nati A. Schnell sind die beiden zusammengezogen. Kurz darauf bekam er aus Finnland ein Jobangebot als Hockeyspieler. Da stellte sich die Frage, ob meine Mutter mitgeht oder in der Schweiz bleiben würde. Sie entschied sich, mitzugehen. Sie fand es cool in ein anderes Land zu ziehen und Neues kennen zu lernen.

Irgendwann lief sein Vertrag in Schwedenaus und es stellte sich die Frage, wie und wo weiter. Er wollte eigentlich in seine Heimat Finnland zurück. Meine Mutter entschied sich, auch dieses Mal mit ihm zu gehen. Das war sehr mutig von ihr. Anderseits, ohne ihren Mut, gäbe es mich heute nicht. Kurz darauf haben die beiden geheiratet. Mein Vater machte sich mit einer Baufirma selbständig. In diesem Bereich war er talentiert und versiert. Meine Mutter führte in seinem Geschäft das Büro und die Buchhaltung.

Sie bauten gemeinsam ein Haus. Man muss sich das einmal vorstellen, der Bodenpreis war umgerechnet etwa einen Franken pro Quadratmeter.

Als ich zur Welt kam, konnte meine Mutter bequem von zu Hause aus arbeiten und trotzdem für mich da sein.

Leider musste sie ziemlich schnell erleben, dass bei meinem Vater immer die Arbeit an erster Stelle stand. Er war unglaublich diszipliniert, hartnäckig, geschäftstüchtig und fleissig. Er gab alles und noch mehr, um seine Ziele zu erreichen. Das hatte sich früher schon beim Sport gezeigt und ausbezahlt. Diese Eigenschaften habe ich übrigens von ihm geerbt, wofür ich schon oft dankbar war.

Leider gehörte seine Familie nicht zu seinen Zielen. Deshalb entschied meine Mutter sich von ihm zu trennen. Da war ich fünf Jahre alt. Wir blieben in Finnland und meine Mutter und ich zogen in ein anderes Haus in der Nähe. Meine Eltern haben vereinbart, dass sie sich das Sorgerecht für mich je zur Hälfte teilen würden. Ich wohnte fortan bei beiden. Das ging nicht lange gut, weil mein Vater sich an keine Vereinbarung hielt. Bei ihm galten überhaupt keine Regeln für mich. Ich fand das natürlich toll. Ich musste abends die Zähne nicht putzen, durfte so lange fernsehen und aufbleiben wie ich wollte. Wenn er wegwollte, hat er mich bei den Grosseltern abgegeben, die mich noch mehr verwöhnten und mir alles durchgehen liessen. Süssigkeiten waren immer erlaubt. Mit meinen zarten fünf Jahren fand ich das sehr angenehm und bequem.

Bei meiner Mutter herrschte ein viel strengeres, vernünftigeres Regiment. Sie hatte klare Regeln zu Themen wie Erziehung, Ernährung, Tagesstruktur, Sicherheit usw. Für mich war das jeweils ein grosser Spagat zwischen den beiden.

Meine Eltern haben sich irgendwann zusammengesetzt um nochmals über alles zu reden, weil es so nicht weitergehen konnte.

Meine Mutter als Schweizerin, hatte in Finnland kein eigenes Umfeld, nur wenig Freunde und keine Familie. Es war nur natürlich, dass sie sich in dieser schwierigen Zeit nach der Heimat und ihrer Familie sehnte. Sie hatte Heimweh und wollte zurück in die Schweiz.

Mir zuliebe blieb sie in Finnland. Ich war dort geboren, hatte meine Kindergartenfreunde, den Vater und die Grosseltern. Sie wollte sich deswegen auch nicht mit meinem Vater streiten. Denn Streit gab es bereits genug.

Die beiden gingen vor Gericht. Mein Vater forderte von meiner Mutter, dass sie ihm das Haus, das Auto und die Firma überliess. Ausserdem wollte er alles was ihnen gehörte für sich alleine beanspruchen, sämtliche Möbel, Geräte, einfach alles. Des Weiteren sollte sie auf den gesamten Unterhalt für sich verzichten. Er sei aber bereit für mich monatlich umgerechnet zweihundert Franken zu bezahlen. Wenn sie sich auf all das einlasse, dürfe sie mich auch in die Schweiz mitnehmen.

Meine Mutter hatte sich auf diesen Deal eingelassen, weil das der letzte Zeitpunkt dazu war. Nachher wäre ich eingeschult worden und sie hätte mich dort ungern herausgerissen. So flogen wir beide zurück in die Schweiz. Ich habe nicht viele Erinnerungen an diese Zeit. Aber an den Rückflug in die Schweiz kann ich mich gut erinnern. Wir wurden von Freunden am Flughafen mit einem Leintuch empfangen auf dem „herzlich willkommen in der Schweiz“ stand. Ich weiss sogar noch ganz genau, was die beiden getragen haben als sie dort standen.

Die Abmachung war, dass ich jeweils in den Sommerferien für vier Wochen meinen Vater in Finnland besuchen würde. Er würde mich in der Schweiz abholen und mit mir rüber fliegen. Drei Wochen später flog Mama nach Finnland, traf sich dort mit Kolleginnen und flog mit mir zurück. Das klappte einige Jahre gut. Ich fand es natürlich lässig dort, denn es war wie zuvor. Es gab für mich keine Regeln, mein Dad war oft weg, ich durfte essen was ich wollte, fernsehen, lange aufbleiben. Ich besuchte oft meine Grosseltern und meine Tante und dort war es genau so. Welches Kind fände das nicht toll?

Irgendwann hatte mein Vater eine neue Partnerin mit einer Tochter in meinem Alter. Die Frau war zwar nicht so nett, aber alles in allem waren es immer coole vier Wochen. Ich wurde über alle Massen verwöhnt und kam immer mit vielen neuen Sachen und Geschenken nach Hause. Das muss ich ihm lassen, grosszügig war er wenn ich dort war.

Die Jahre vergingen, ich wurde älter und realisierte, was eigentlich wirklich bei ihm los war. Ich begann zu erkennen, dass er ein schwerwiegendes Alkoholproblem hatte. Bereits früh morgens begann er zu trinken. Viel zu trinken. Ständig standen Bierdosen herum, wir mussten ständig zur Tankstelle fahren um Nachschub zu besorgen. Es war eklig, alles hat nach Bier gestunken. Mein Vater, das Auto, das Haus… Bier, Bier und nochmals Bier und das 24/7. Darum kann ich bis heute Bier nicht riechen und trinken.

Von meiner Mutter wusste ich, dass man nicht Auto fährt wenn man getrunken hat. In Finnland habe ich erfahren, dass man sich offenbar auch mit zehn und mehr Bier intus immer noch locker ans Steuer setzen konnte. Mein Vater hat das jedenfalls immer so gemacht. Nicht, dass dies erlaubt gewesen wäre, er hat es einfach gemacht.

Eines Tages habe ich ihm die Autoschlüssel weggenommen und ihm verboten, ins Auto zu steigen. Das kam gar nicht gut an. Er hat meiner Mutter sofort ein giftiges E-Mail geschickt, dass ich frech und unanständig zu ihm sei. Dabei habe ich es doch nur gut gemeint und mich um ihn und uns gesorgt.

Immer öfter habe ich mitbekommen, was in seinem Leben alles nicht stimmte. Er hatte dauernd heftige Streitereien mit seiner Freundin. Da kam es oft vor, dass er einfach davonfuhr und ein oder zwei Tage nicht mehr zurück kam. Mich hat er dabei vergessen, ich blieb dann jeweils mit seiner Freundin im Haus. Eines Tages hatten sie wieder einen lauten Streit, er fuhr dann zur Arbeit und rief mich von dort aus an. Er befahl mir, dass ich mich auf die Treppe im Haus setzen müsse und nicht aufstehen dürfe, bis er abends wieder heimkomme. Ich durfte nicht aufstehen, nicht essen, trinken, nicht aufs Klo gehen – nichts. Brav wie ich war, habe ich dies tatsächlich befolgt. Seine Freundin hat mich so vorgefunden und gefragt was ich da mache. Ich habe es ihr erklärt worauf sie mich an der Hand nahm und sagte, das machst Du ganz sicher nicht, Du lebst Dein ganz normales Leben und hörst nicht auf ihn. Zum Glück hatte sie sich so verhalten und mich damit erlöst. Mein Vater kam nach Hause, ich sass nicht auf der Treppe und er explodierte. Seine ganze Wut hat er an ihr ausgelassen, getobt, geschrien, Sachen um sich geschmissen. Mit mir hat er glücklicherweise „nur“ geschimpft und mir gesagt ich sei unanständig, frech und ungehorsam.

Ich verstand immer mehr, dass das alles nicht normal war. Es wurde immer schlimmer. Die misslichen Situationen häuften sich und unser Verhältnis zueinander wurde immer schwieriger. Er fing an schlecht über meine Mutter zu sprechen. Er hat mich immer mehr abgeschoben und von sich gewiesen. Er hatte keine Zeit mehr für mich. Ich hatte keinen Platz mehr in seinem Leben. Sein Alkoholkonsum wurde immer krasser.

Als ich ungefähr 13 Jahre alt war habe ich meiner Mutter gesagt, dass ich im Sommer nicht mehr nach Finnland gehen wollte. Sie fand das nicht in Ordnung, weil dies so zwischen ihnen abgemacht war. Sie hat sich zuerst auf seine Seite gestellt. Als sie merkte, dass es mir wirklich ernst war hat sie eine Zwischenlösung vorgeschlagen. Ich sollte vier Wochen dort sein, aber nur drei davon mit ihm. Sie würde dann kommen und mit mir noch eine Woche in Finnland verbringen. Damit war ich einverstanden.

Es waren drei ganz schlimme Wochen für mich. So schlimm, dass ich fast nichts mehr davon weiss. Als ob mein Unterbewusstsein mich schützen wollte. Die Details dieser drei Wochen sind quasi gelöscht. Alles was noch klar da ist, dass ich weiss wie unglaublich schlimm es war.

Die folgende Ferienwoche mit meiner Mutter war dafür wunderbar. Ich habe mich riesig gefreut, sie wieder zu sehen und Zeit mit ihr zu verbringen. An die Details aus dieser Woche erinnere ich mich umso mehr. Wir haben viele Freunde und Bekannte getroffen und eine sehr schöne Zeit verbracht.

Mein Vater hatte sich mit immer mehr von seinen Freunden zerstritten. Doch für meine Mutter und mich blieben sie Freunde. Mit einigen haben wir bis heute noch Kontakt und sie haben uns auch schon in der Schweiz besucht.

Wir flogen wieder heim. Es ging schon bald um Weihnachten. Ich habe ihr wieder gesagt, dass ich auf keinen Fall zu meinem Vater möchte. Sie merkte, es war mir ernst. Die Flüge hatte sie bereits gebucht. Ich war hin- und hergerissen. Einerseits wollte ich gerne den Rest der Familie und die Freunde wiedersehen, mit ihnen Weihnachten feiern. Aber ihm wollte ich nicht mehr begegnen.

Ich flog hin.

Es blieb mir nichts anderes übrig, ich musste wohl oder übel nach der Ankunft mit meinem Vater reden. Ihm beibringen, dass ich gerne mehr Zeit mit allen anderen verbringen wollte. Ich sass zitternd auf dem Sofa und hatte furchtbare Angst vor diesem Gespräch. Erwartungsgemäss flippte er völlig aus. Er schrie herum warum ich denn überhaupt gekommen sei, was ich hier noch mache, wenn ich ihn nicht sehen wollte. Ich würde von meiner Mutter manipuliert, er wolle mich nie mehr wiedersehen. Ich sollte sie sofort anrufen, sie müsse mich jetzt abholen. Dreimal habe ich sie nicht erreicht. Er schleuderte Gegenstände herum, haute mit der Faust auf die Möbel. Er fluchte und zeterte immer weiter. Sogar die beiden Hunde hatten so sehr Angst, dass sie auf den Boden pinkelten. Er schrie mich an, ich müsse sofort meine Sachen packen. Dann rief mich Gott sei Dank meine Mutter zurück. Ich sprach schweizerdeutsch mit ihr und sie hörte meiner Stimme an, dass ich grosse Angst hatte. Ich habe nur geweint und kaum reden können. Ich sagte ihr, sie müsse mich sofort abholen.

Da sie und ihre Freunde aber aufgrund des Weihnachtsfestes bereits etwas getrunken hatten, durften sie nicht mehr Autofahren. Ich war so panisch dass ich ihr immer wieder sagte, sie müsse jetzt sofort kommen und zwar nicht alleine, da mein Vater am durchdrehen wäre.

Sie schaute in die Runde ihrer Freunde und sagte verzweifelt, sie müsse mich jetzt irgendwie abholen. Zum Glück hatte ein Mann nichts getrunken und sich anerboten sie zu fahren. Es war doppeltes Glück, einerseits dass er nichts getrunken hatte und dass er ein Mann war. Diese Wartezeit fühlten sich wie eine schreckliche, nie enden wollende Ewigkeit an. In dieser Zeit habe ich meine Sachen zusammengesucht und gepackt. Er tobte immer noch wie ein Wahnsinniger. In der Wartezeit hat er meine Mutter diverse Mal angerufen und die immer mehr werdenden leeren Bierdosen herumgeschmissen. Es war furchtbar.

Dann war sie endlich da. Da hat er auch ihr noch alles Schändliche und Wüste an den Kopf geworfen. Die Hunde bellten weiterhin unaufhörlich. Aus diesem Szenario sind wir dann hinausgelaufen. Verabschiedet hat er sich nicht von mir und wir sind endlich losgefahren. Wir kamen bei ihren Freunden an, die sich sehr um uns sorgten und sofort fragten, was passiert sei. Doch wir hatten keine Kraft mehr um uns zu erklären. Der Abend, die Nacht und Weihnachten waren für uns gelaufen. Wir haben uns ins Schlafzimmer zurückgezogen und lange nur geweint. Meine Mutter liess dann einen Film laufen bis ich mich etwas beruhigt hatte. Langsam konnte ich runterfahren bis ich spürte, dass die Welt sich wieder etwas normaler drehte.

Im Nachhinein erfuhren wir, dass er seiner Familie eine dreiste Lüge erzählte warum ich weg war. Nämlich, dass ich in der Schweiz einen familiären Notfall hätte und deswegen sofort zurück musste. Er postete dann noch ein Bild mit den Worten dies seien die letzten schönen Weihnachten mit seiner Tochter gewesen. Wie schräg war das denn bitte?

Zurück in der Schweiz, habe ich meinem Vater eine E-Mail geschickt. Ich wollte ihm mitteilen wie ich mich fühlte. Ausserdem habe ich ihm gerade heraus geschrieben, dass er ein grosses Alkohol Problem hätte. Es war mir wichtig, dass er meine Gefühle und Meinung erfuhr und (bestenfalls) ernst nahm. Es kam natürlich keine Reaktion von ihm.

Viel später schrieb er mir, dass er in einer Entzugsklinik sei und das Programm der Anonymen Alkoholiker absolvierte. Er wollte sich bei mir entschuldigen. Also haben wir miteinander telefoniert. Ich wollte ihm diese Chance geben. Das Gespräch verlief sehr komisch. Seine Entschuldigung fühlte sich nicht wie eine an. Und die kaputte Beziehung zwischen uns konnte er so nicht kitten.

Der Gipfel aber war, dass er zu dieser Zeit hinter meinem Rücken nochmals gegen meine Mutter vor Gericht zog. Er hatte kein Geld, konnte nicht arbeiten, konnte keine Alimente zahlen.

Es kam der Tag an dem ich meinen Nachnamen ändern wollte. Ich wollte nicht mehr denselben Namen wie er tragen, das hatte er nicht verdient. Meine Mutter versuchte mir dies vehement auszureden, erfolglos. Ich war bereit die Kosten selbst zu tragen. Obwohl ich keinen Lohn hatte, ich hätte dies von meinem Sparkonto bezahlt. Schlussendlich hat meine Mutter die Kosten für mich übernommen und mich unterstützt. Das Gesuch wurde sofort bewilligt, obwohl ich erst vierzehn Jahre alt war. Das weiss ich noch genau, weil die Bewilligung an dem Tag erteilt wurde, als Donald Trump zum ersten Mal gewählt wurde.

Aus rechtlichen Gründen wurde mein Vater über die Namensänderung informiert. Darauf hin bekam ich von ihm ein bitterböses Mail, was mir einfalle, er würde mich enterben und ich sei nicht mehr seine Tochter. Ausserdem müsse ich und meine Mutter ihm alles zurückbezahlen was er je für uns bezahlt hätte. Sämtliche Geschenke die wir je von ihm bekommen hatten müssten wir ebenfalls zurückgeben. Bla, bla, bla…. Es ging ihm wie immer nur um Geld.

Nach dieser Episode ging er in Finnland wieder hinter meinem Rücken gegen meine Mutter vor Gericht. Dabei forderte er von ihr, dass sie alles was sie je von ihm erhalten hat zurückbezahlen müsse. Meine Mutter musste von der Schweiz aus einen Anwalt mandatieren, was nicht einfach und kostspielig war. Dieser konnte erwirken, dass meine Mutter nichts zurückzahlen musste. Obwohl er kurz davor seine gut gehende Firma verkaufen konnte und somit ganz sicher kein armer Mann war. Bis heute fragen wir uns, wo sein ganzes Geld (ausser in seinen Rachen) geflossen war.

Dann dachten wir dass Ruhe einkehren würde.

Er schrieb mir wieder. Ich sagte zu meiner Mutter, ich kann und will keinen Kontakt mehr zu ihm. Wirklich nicht. Sie schrieb ihm weil sie meine Dringlichkeit erkannte. Ich wiedergebe ihr Mail nicht in allen Einzelheiten. Ihr Schluss-Satz war, dass es einfach sei ein Kind zu machen. Auf ein Kind aufzupassen, es zu beschützen und grosszuziehen sei aber eine andere Liga. Dies hätte er in keinster Weise hinbekommen. Er solle nun bitte für immer schweigen.

Ich weiss, dass ich aus diesen Jahren diverse Traumata erlitten hatte. Schlüsselwörter: Treppen, schreien, auf Gegenstände schlagen, Alkohol … etc. all das hat bei mir tiefe Wunden und Spuren hinterlassen.

2024 ging mein Vater tatsächlich noch einmal vor Gericht in Finnland. Es ging wieder nur um Geld. Er hatte eigentlich uns gegenüber viele Schulden. Doch er fand, er müsse finanziell entlastet werden. Ausserdem sei er krank, ein Burnout, eine bipolare Störung, Alkoholiker, Depressionen usw. Er kam damit nicht durch.

Mittlerweile arbeitete ich im juristischen Bereich, verstehe seine Klageschrift sehr wohl. Im Gegensatz zu meiner Mutter die verständlicherweise fast nichts verstand.

Nun hat sich das Blatt gewendet. Meine Mutter hatte keinen Bock mehr! Ich studierte Jura, sprach fliessend finnisch und englisch. Ich übernahm das Szepter. Es war so schön, endlich konnte ich einmal meiner Mama helfen und sie unterstützen.

Ich unterhielt mich mit der Rechtsanwältin. Das Credo meiner Mutter und mir war nur noch eines: Er soll machen was er will. Von uns gibt es gar nichts mehr – er soll in seinem Geld und seinem Elend verrecken. Basta. Fertig. Aus. Ende.

Wir strebten einen Vergleich an und verzichteten auf alles. Ausserdem sollten wir nie mehr von ihm kontaktiert werden. Er war einverstanden und unterschrieb. Bis heute haben wir nie mehr etwas von ihm gehört oder gelesen.

Damit war die Geschichte mit ihm beendet.

Meine Mutter hat einen tollen Lebenspartner, der mir ein viel besserer Vater war als mein leiblicher Vater. Mit meiner Mama kann ich heute sehr gut, offen über alles reden. Auch sie kann mittlerweile sehr gut mit mir über alles reden. Immer wieder kommen Episoden oder Geschichten von früher hoch, die sie mit mir teilt. Das konnte sie damals noch nicht, weil ich viel zu klein war. Ich hätte es weder verstanden noch verarbeiten können.

Sie hat mir auch angeboten, dass ich sämtliche Gerichtsurteile lesen dürfe – es waren derer viele. Einige habe ich mittlerweile tatsächlich gelesen.

An dieser Stelle kann ich sagen, ich vermisse meinen Vater nicht und ich bin über ihn hinweg. Ja, ich habe gewisse Ähnlichkeiten (leider sehe ich ihm ähnlicher als meiner Mutter). Die Gewissenhaftigkeit, Verbissenheit, der starke Wille und die Disziplin habe ich von ihm geerbt, was nicht nur schlecht ist. Ich bin nun mal das Produkt von beiden. Als ich noch jünger war, war ich sehr schnell, sehr laut und launisch, was ich mir zum Glück abtrainiert hatte. Vielleicht war es auch eine pubertäre Phase. Heute bin ich überhaupt nicht mehr so.

Meine Mama hat alles und noch viel mehr gegeben für mich und uns. Ich weiss dies sehr zu schätzen und möchte es nie mehr missen. In Finnland habe ich mit einigen wenigen Familienmitgliedern noch Kontakt. Ich bin heute sehr froh, dass wir in der Schweiz leben.

Uuuuuund… tadaaa…. Trommelwirbel… ich kann mittlerweile sogar eine Beziehung führen und einen Partner an meiner Seite zulassen, was mir sehr lange unmöglich war.“

„Wow, liebe Kreetta vielen herzlichen Dank für dieses offene Gespräch. Hast Du ein Lieblingszitat?“

„count memories not calories.“

„Verrate mir bitte Dein Lieblingsessen.“

Momo’s!“


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