Uf em Bänkli mit Barbara B., (54) in Lufingen

Vor 10 Jahren auch auf einem Bänkli aber nicht zu einem Bänkli Gespräch sondern für einen Test. Der Bänkli Test. Der von zwei Frauen, selbst erfundene Bänkli Test.

Wie es dazu kam? Ganz einfach, meine Freundin und ich im selben Alter, mit beiden Füssen fest im Leben stehend, allein erziehend, Sorgen gewohnt, plus-minus (je nachdem welche von uns) haben festgestellt mit 44 Jahren sehen wir dann eben doch nicht mehr ganz so aus wie noch einige Jahre zuvor. Hier und da eine (selbstverständlich erst kleine) Falte, ein Pigmentfleck hier und da oder der Ansatz dazu. Aber was uns schon einigermassen verwunderte, war dass wir erkennen mussten, dass die Haut um unser Gesicht nicht mehr so straff war. Wir haben nur das Gesicht und die Nähere Umgebung begutachtet. Zum Glück und vor allem zu unserem Seelenheil.

Nun gut – zurück zum Bänkli Test. Eine von uns legt sich auf den Rücken auf das Bänkli. Die andere steht über ihr und bückt sich so, dass wir Gesicht auf Gesicht über einander sind. Ja, das sah von aussen betrachtet sicher sehr lustig aus. WAR ES NICHT. Denn hier zeigten sich Abgründe. Also nicht bei beiden. Es zeigten sich Gesichts- und Halshaut, die wirklich nicht sehr schön nach unten hing. Den bekannten 9.81 pro Sekunde, auch genannt Erdanziehungskraft sei Dank. Oder auch nicht. Echt jetzt? Umgehend entsteht das Bild vor dem geistigen Auge, wenn wir beim Akt der Liebe „oben“ sind, sieht das Gegenüber von unten all dies. Und das geht nun wirklich gar nicht.

Wann bitteschön… WANN ist das denn passiert? Hat das wirklich etwas mit uns zu tun oder können wir dies allenfalls noch weg-cremen, weg-massieren, weg-denken oder es uns doch noch schön trinken? Wir sind 44 und nicht 54, was kommt denn da noch auf uns zu? Wollen wir das? Haben wir dies bestellt? Haben wir das (und zukünftiges) alles im Griff? Müssen wir drastischere Massnahmen ergreifen oder wenigstens darüber nachdenken, googeln und dann beginnen darauf zu sparen?

OK-nicht ok. Stillstand. Zurück auf null. Das kann ja gar nicht sein. Die ganze Prozedur noch einmal von vorne. Das Resultat ist ernüchternd, genau das gleiche Ergebnis und Bild, wenn nicht sogar noch schlimmer weil wir jetzt noch viel genauer hinschauen. Um fair zu sein, muss jetzt ja auch erwähnt werden, dass wir die Rollen danach getauscht haben. Schliesslich möchte jede von uns ganz genau und detailliert wissen wo sie steht. Ich wusste es nun bereits.

Das ist der Moment wo ich eigentlich nicht mehr weiterschreiben möchte. Aber das Resultat war… komplett anders, ernüchternd. Meine liebe, beste, schöne, sportliche, seit 30 Jahren rauchende und gerne Alkohol trinkende, unter der gleissenden Sonne Sport treibende Freundin beugt sich über mich. Ich bin ja so gespannt. Und was sehe ich? Nichts. Nur straffe Haut. Das kann nicht sein. Wieder zurück auf null und nochmals. Ohje… gleiches Resultat.

Ich mochte es ihr von Herzen gönnen. Aber ich war dann doch einigermassen destabilisiert. Nie habe ich geraucht, auch nicht sehr viel Alkohol getrunken. Die Gene. Es müssen offenbar die Gene sein und die Natur. Ich gebe es zu ich fand es beschissen, unfair und schlichtweg ganz schlimm.

Heute – 10 Jahre später, 10 Jahre weiser, 10 Jahre erfahrener, und bereits ein bisschen altersmilde geworden,  wissen wir es beide so viel besser. Das war doch herzig, zwar verständlich aber eigentlich gar nicht nötig. Denn heute sind wir beide dankbar noch am Leben zu sein. Jede aufgrund ihrer eigenen Geschichte. Weil das Schicksal, die Gesundheit und alle anderen Einflüsse von rundum uns gezeigt haben: es gibt so viel Wichtigeres.

Heute bezeichne ich uns beide immer noch als gepflegte, ganz unterschiedliche, hübsche, erfahrene, sturmerprobte, wilde, starke, schwache, gute Vorstadtweiber die es geschafft haben zu überleben.

Übrigens, die Gene, Falten, Furchen und die nicht mehr elastische Haut ist nach wie vor gleich verteilt. Einzig bei den grauen Haaren haben wir Gleichstand. Nur finde ich es heute nicht mehr unfair sondern kann ganz entspannt damit leben.

Danke Schatzi – für mehr als 10 Jahre wahre, echte Freundschaft und Liebe sowie Dein Lieblingsessen.

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2 Gedanken zu „Uf em Bänkli mit Barbara B., (54) in Lufingen“

  1. Waow, das ist eine wirklich tolle Geschichte und so echt!! Super geschrieben Nicole 😃
    Den Frauen weiterhin eine so wundervolle Freundschaft🍀🍀

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