Ich treffe mich mit Susi auf einem sonnigen Bänkli. In derselben Ortschaft wo sich ihre lustige Geschichte vor vielen Jahren zugetragen hat.
„Ja, ich war blond. Ja, es war ziemlich peinlich – ich war ziemlich peinlich. Das Schöne ist, dass ich heute darüber lachen kann. Deshalb möchte ich Dir gerne diese amüsante Geschichte erzählen.“
„Unbedingt liebe Susi, lustige Geschichten mögen alle und tun uns gut.“
„Ich war Mitte zwanzig, es war Frühling und ich habe mir ein neues Auto gekauft. Es war ein bordeauxrotes Peugeot Cabriolet. Ich war wahnsinnig stolz auf dieses Auto, noch nie vorher fuhr ich ein Cabriolet. In diesem Jahr war der Frühling herrlich warm und ich konnte schon sehr bald oben ohne rumfahren. Wie ich das genossen habe. Die Haare im Wind, das Rauschen in den Ohren, manchmal mit und manchmal ohne Kopftuch oder Cap. Bis dann bin ich nie grundlos Auto gefahren. Doch das gute Wetter hat mich so manches mal rausgelockt um eine Spritztour zu machen. Ich habe den roten Flitzer gehegt und gepflegt, kein Haar, kein Stäubchen habe ich geduldet.
Schon bald war es Zeit um das Auto das erste Mal zu waschen. Auch wenn ich Angst vor Kratzern oder noch schlimmerem hatte, war ich doch zu faul das Auto von Hand zu reinigen und polieren. So fuhr ich eines Samstagmorgens zur Waschanlage. Hoch erfreut stellte ich fest, dass niemand anstand und fuhr beherzt mit Sonnenbrille, sehr cooler Miene und lauter Musik zur Einfahrt. Was sah ich dort? Mir kam ein anderes Auto entgegen. Das konnte doch gar nicht sein. Ich setzte eine noch coolere und entrüstete Miene auf und wetterte dem immer näherkommenden Auto entgegen. Dazu fuchtelte ich mit den Händen, hupte aggressiv und liess das Scheinwerferlicht aufblitzen. Nichts half. Es kam langsam immer näher. Da sah ich aus dem Augenwinkel, dass ein Mitarbeiter auf mich zurannte und mich anschnauzte, ich solle umgehend wegfahren, das sei die Ausfahrt der Anlage. Oha! Das war mir dann doch etwas peinlich. Es veranlasste mich, ihm einen abschätzigen Blick mit unsagbarer Coolness zuzuwerfen. Sofort wendete ich und fuhr um die Anlage herum zur Einfahrt.
Meine Wangen waren knallrot, denn wenn ich ehrlich war, schämte ich mich und hoffte inständig, dass mich hier niemand kannte. Schlimmer konnte es ja kaum kommen, deshalb das ganze Spiel nochmals von vorne: cooler Gesichtsausdruck, laute Musik und rein gings zum waschen. Es kam schlimmer. Ein Mitarbeiter kassierte den stolzen Preis, ich versuchte mich so unbeteiligt wie möglich zu geben und fuhr gemächlich in die Führungsschienen. Diese transportierten mich langsam vorwärts, alle Apparaturen begannen zu dröhnen. Ja, sie dröhnten sogar unangenehm laut, das fand ich komisch. Wenn die mir mein schönes Cabriolet mal nicht verkratzt. Plötzlich stoppt die Schiene abrupt. Was war denn jetzt wieder los? Da kommt der Mitarbeiter hinter mein Auto und schreit mir zu, ob ich wirklich so dämlich sei, dass ich mit dem offenen Dach da rein wolle. Autsch. Viel autsch.
Das war ja so peinlich. Ich schloss sofort das Verdeck und machte mich ganz klein. Am liebsten wollte ich rückwärts wieder herausfahren. Doch das ging nicht. So musste ich die drei Minuten die sich wie dreissig anfühlten ausharren, bis ich an der Ausfahrt war. Dort standen drei weitere Mitarbeiter die sich kaputtlachten ab der ungeschickten Blondine im roten Cabrio.
Das Dach liess ich geschlossen, damit man meinen roten Kopf nicht sah und meine ach so coolen Gesichtszüge waren mir auch entgleist und nicht mehr steuerbar. Heulend fuhr ich nach Hause. Nie mehr habe ich bei dieser Waschanlage mein Auto gewaschen. Nicht einmal die danebenstehende Tankstelle habe ich je wieder betreten. Das liess mir mein Stolz dann doch nicht zu.“
„Herrlich… ich muss so lachen, entschuldige bitte. Aber das ist jetzt wirklich zu viel Klischee. Blond, cool, laute Musik, neues Poser Auto…und dann das.“
„Da hast Du absolut recht und Du kannst mir glauben, heute 25 Jahre später habe ich diese Situation immer vor meinem geistigen Auge wenn ich in eine Waschanlage fahre. Ebenso schaue ich immer zweimal hin, ob ich wirklich in der Ein- und nicht Ausfahrt stehe.“
„Hast Du noch ein Lieblingszitat, das Du gerne teilen möchtest?“
„Wer etwas will, sucht Wege. Wer etwas nicht will, sucht Gründe.“