Uf em Bänkli mit Monika V. (49) – in Kloten

„Ich habe mich für eine Geschichte entschieden, über die wir heute lachen können. Als sie sich ereignete, fanden wir sie nicht ganz so lustig.

Unsere Familie hat zwei wunderschöne, eindrückliche und erlebnisreiche Ferienwochen in Florida (USA) verbracht. Mich hatte auch dieses Mal die unglaublich vielfältige Flora und Fauna beeindruckt. In Florida hatte ich wieder neue Pflanzen und Tiere entdeckt und kennen gelernt.

Nach dem neunstündigen Flug zurück nach Hause, vielen Erlebnissen, einem Jetlag und zwei müden Kindern im Gepäck, landete ich auf dem Boden der Realität. Das bedeutete auspacken, sehr viel Wäsche waschen, einkaufen um den Kühlschrank und die Vorräte wieder aufzufüllen. Immerhin war Sommer, die Sonne schien und das machte es leichter. Schon bald flatterte die Wäsche auf der Terrasse im Wind und die miefigen Koffer lagen offen in der Sonne zum auslüften.

Unser Kater freute sich, dass wir wieder zu Hause waren, obwohl ich den Verdacht hegte, dass er etwas beleidigt war. Er verhielt sich ziemlich komisch, als wären wir Fremde. Ich beobachtete ihn ganz genau. Es war bestimmt nicht lustig zwei Wochen ohne seine Lieblingsmenschen in einem Katzenheim zu wohnen. Er beschnupperte uns, unsere Koffer und Schuhe lange, machte seine Kontrollrunden im und ums Haus. Als er hinter dem Haus vor der Glastüre stand, blieb er bocksteif stehen. Er machte keinen Mucks, keine Bewegung, sein Fell stellte sich auf. Dann legte er die Ohren an, plusterte sich noch mehr auf und fing furchterregend an zu fauchen. Was war denn das? So kannte ich ihn nicht. Er war ein ganz friedlicher, unaufgeregter und das war nun wirklich aussergewöhnlich. Ich schaute ihm einen Moment lang zu, dann ging ich näher zu ihm hin, was ihn noch mehr fauchen liess. Ich folgte seinem starren Blick und sah… oh-oh….

Vor ihm sass eine ziemlich grosse Echse. Sie bewegte sich keinen Millimeter und starrte ihn ebenso an. Das wirkte nicht friedlich. Ich rief meinen Mann nach draussen, er war ebenfalls verunsichert ab dieser Situation. Einerseits, dass der Kater so komisch reagierte und anderseits hatten wir in der Schweiz noch nie eine so grosse Echse gesehen. Die einheimischen Eidechsen waren viel kleiner, weniger breit und hatten auch langweiligere Farben. Plötzlich schoss es mir durch den Kopf, dass wir dieses Exemplar vielleicht in unserem Gepäck importiert haben könnten. Ach Du meine Güte, das wäre gar nicht gut, doch sehr wohl möglich. Was nun?

Ich rief bei der Polizei an und fragte um Rat. Man nahm mein Anliegen ernst und riet mir, das Tier sofort zu sichern. Denn wenn es kein einheimisches Exemplar sei, könnte es allenfalls hoch und weit springen, oder Gift spritzen. Ich müsse darauf achten, dass ich es nicht verletze oder gar töte, denn Reptilien seien in der Schweiz geschützte Tiere. Das auch noch. Also habe ich sofort die Kinder ausser Reichweite gebracht. Das fanden sie gar nicht toll, denn sie wollten keinen Moment verpassen. Die Nachbarn gegenüber amüsierten sich köstlich über unser Spektakel. Ich fand es gar nicht lustig und suchte etwas geeignetes um die Echse zu sichern. Ich stülpte eine grosse durchsichtige Glasschüssel über sie, worauf sich der Kater etwas entspannte. Sofort ging er zur Schüssel hin, mauzte diese an und tippte immer wieder mit der Pfote daran.

Das Telefon am Ohr, verbunden mit der Polizei erstattete ich Bericht, das Tier sei gesichert. Sie würden nun jemanden zu uns schicken. Das beruhigte mich. Ich nahm den Kater auf den Arm, nicht dass er das gefangene Viech aus Versehen befreien würde. Die Nachbarn erzählten es mittlerweile schon den nächsten Nachbarn. Kaum zu glauben, was das für ein Interesse auslöste. Es war mir sehr peinlich und ich wartete sehnlichst bis wir erlöst wurden.

Eine halbe Stunde später fuhr ein grosser Einsatzwagen der Kantonspolizei vor. Man kann sich etwa vorstellen wie schnell das bereits vorhandene Interesse der Nachbarn noch grösser wurde. Es stiegen zwei uniformierte, starke Polizisten aus, öffneten die Heckklappe und entnahmen daraus ein riesiges Metallgehege. Das war nicht ihr Ernst, oder? Wir reden von einer Echse, nicht von einem Panther. Dann ging alles ganz schnell. Mit grosser Ernsthaftigkeit kamen sie in unseren Garten, sahen die Salatschüssel und mussten unweigerlich lachen. Der eine ging zurück zum Wagen und kam mit einem bedeutend kleineren Gehege wieder zurück. Er fing die Echse ein und verschloss den Käfig. Gott sei Dank! Man würde uns über den weiteren Verlauf informieren – und weg waren sie.

Was würde uns dieser Einsatz kosten? Nicht auszudenken, dass wir auch noch gebüsst werden könnten, falls dies wirklich eine Echse aus Übersee war. Das ganze konnte richtig teuer werden. Wir verzogen uns nach drinnen und harrten der Dinge, die da auf uns kommen würden.

Adieu Nachbarn, die Show ist vorbei ihr könnt wieder in Ruhe Eurem Tagesablauf nachgehen. Noch am selben Tag bekamen wir einen Anruf, dass wir nichts importiert hätten. Dies aber eine hochschwangere vom Aussterben bedrohte einheimische Echse war. Tatsächlich ein ausserordentlich grosses Exemplar, aber nichts Gefährliches. Solche Einsätze kosteten auch nichts, das war erfreulich.

Glaubst du mir, dass ich seit dort immer bereits beim Packen und auch nochmals beim Auspacken eines Urlaubskoffers jede Ecke ganz genau inspiziere?“

„Ja, das glaube ich Dir sehr gerne liebe Monika. Zum Glück ist alles gut ausgegangen für alle. Vielen Dank für diese unterhaltsame Geschichte. Magst Du mir noch Dein Lieblingszitat sagen?“

„Erst wirbeln wir den Staub auf und behaupten dann, dass wir nichts sehen können.“

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